Wie kommt es, dass eine Geschichte nach 3000 Jahren immer weitererzählt wird? Gregor Sanders neuer Roman gibt eine Antwort. Was „Troja, später Nachmittag“, gerade erschienen, von dem Entdecker der homerischen Welt erzählt, das stellte der Autor, auch EHF 2010-Stipendiat der KAS, im Studio online der Stiftung in Lesung und Gespräch vor. Und „ja“, verriet er dem sich aus vielen deutschen Städten, aus Polen und Belgien zugeschalteten Auditorium, er hätte sich als Zeitgenosse von Heinrich Schliemann durchaus vorstellen können, mit ihm befreundet gewesen zu sein.
Das merkte man auch den gelesenen Roman-Partien an. Mit auktorialer Sympathie und fabelfrohen Szenenbeschreibungen vertieft sich Sander in die Lebensgeschichte Schliemanns, seinen märchenhaften Aufstieg vom mecklenburgischen Pfarrerskind zum steinreichen Selfmade-Man, der die halbe Welt bereist, Dostojewski getroffen, Paris und Panama gesehen und schließlich das sagenhafte Troja ausgegraben hat. Mehr als nur ein Fun Fact: In Ankershagen, dem Provinzort, aus dem Schliemann stammte, las auch Johann Heinrich Voß Homer. Bis heute ist Voß‘ Übersetzung, die Schliemann die homerischen Epen im Deutschen erschloss, maßgebend.
Der Schliemann-Büste am Schweriner Pfaffenteich, so erinnerte sich Gregor Sander, hätten sich prüfungsängstliche Schüler immer von hinten genähert. Selbst hat der 1968 in Schwerin geborene Autor keine Angst vor historischer Größe. Und schon gar keine Einflussangst. Der Archäologe, so umstritten seine Grabungsmethoden von heute aus auch sein mögen, ist für ihn eine Art Odysseus. Die Geschichten, die der Autor seine Figur erzählen lässt und die sich im Roman zu einer abenteuerlichen Lebensgeschichte verweben, sind es, die die Faszination von Troja ausmachen. „Troja, später Nachmittag“ wird im Ausgraben von Schliemanns Lebensspuren selbst zum archäologischen Roman. Die Geschichte ist jetzt.
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