Über die Elbe auf der Elbe sprechen – passender hätte der Ort für die Veranstaltung des Politischen Bildungsforums Sachsen der Konrad-Adenauer-Stiftung „Mit voller Kraft voraus: Die Elbe als Lebensader unserer Region“ am 2. Juli kaum sein können. An Bord der „Gräfin Cosel“ stand die Bedeutung der Elbe für Tourismus, Wasserwirtschaft und die regionale Versorgungsinfrastruktur im Mittelpunkt. Besonderes Augenmerk galt dabei der diskutierten Elbwasserüberleitung zur Stützung des Wasserhaushalts von Spree und Lausitz.
Als Gastgeberin begrüßte zunächst Astrid Rockel, Geschäftsführerin der Weißen Flotte Sachsen GmbH, die Gäste und schilderte die Auswirkungen der zunehmenden Niedrigwasserphasen auf die Schifffahrt. Die Weiße Flotte sei zwar seit jeher auf unterschiedliche Wasserstände eingestellt und verfüge über Anpassungsmöglichkeiten. Dennoch bereiteten die immer länger andauernden Niedrigwasserperioden zunehmend Sorgen und stellten Tourismus wie Schifffahrt vor wachsende Herausforderungen.
Auch Ronny Heine, Leiter des Politischen Bildungsforums Sachsen, hob die gesellschaftliche Relevanz des Themas hervor. Gerade weil die Debatte aus unterschiedlichsten Perspektiven mit großem Interesse verfolgt werde, sei es wichtig, Wissenschaft und Politik miteinander zu verzahnen und verschiedene Stimmen in den Dialog einzubinden.
Um dieses Ziel zu verfolgen, stammte der erste Impuls des Abends von Lars Rohwer, CDU-Bundestagsabgeordneter für Dresden. Da er seit 2022 Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Elbe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ist, sei die Elbe für ihn als persönliches Heimatthema längst zentral im politischen Wirken angekommen. Aus dieser Sicht heraus erinnerte er daran, dass sie zugleich als weit mehr als ein regionales Anliegen betrachtet werden müsse. Als Bundeswasserstraße besitze sie nationale Bedeutung, zugleich seien viele Fragestellungen europäisch, da Sachsen und Tschechien gemeinsame Verantwortung für den Fluss trügen. Die Zusammenarbeit, etwa beim Hochwasserschutz, erfordere im Umkehrschluss gegenseitigen Respekt. Entscheidungen zur Elbe müssten deshalb stets die Souveränität des Nachbarlandes berücksichtigen.
Anschließend ordnete Prof. Dr.-Ing. Thomas Grischek von der HTW Dresden die Debatte wissenschaftlich ein. Der langjährige Forscher zur Resilienz der Wasserversorgung betonte, dass insbesondere die Diskussion um die Elbwasserüberleitung dringend einer faktenbasierten Einordnung bedürfe. Wissenschaftliche Erkenntnisse sowie Pläne zur technischen Umsetzungen würden häufig innerhalb einer teilweise unsachlichen Berichterstattung verloren gehen, weshalb er seine Dankbarkeit über die Einladung zu einer solchen Veranstaltung betonte.
Um in die Debatte eines Eingriffs in den Elbfluss einzuführen, erläuterte Prof. Grischek zunächst die Ausgangslage: Bereits seit den 1920er Jahren gebe es Überlegungen, Wasser aus Sachsen nach Brandenburg zu überleiten. Durch das Ende des Braunkohlebergbaus verschärfe sich das Wasserdefizit in der Lausitz nun zusätzlich. Außerdem erinnerte er daran, dass der Wasserbedarf durch sinkende Niederschläge künftig überall steigen würde- was gerade in Ostdeutschland immer wieder das Gespräch auf die Elbe bringen wird und Kompromisse unvermeidlich wären.
Im Anschluss stellte Grischek die Argumente für und gegen eine Elbwasserüberleitung gegenüber. Zu den Vorteilen zählten die Verhinderung eines teilweisen Trockenfallens der Spree nach dem Ende des aktiven Bergbaus, die Stabilisierung des Wasserhaushalts der Lausitz, die Sicherung der Flutung ehemaliger Bergbaufolgeseen sowie der Schutz ökologisch wertvoller Gebiete. Dem gegenüber stünden mögliche Auswirkungen auf die Gewässerqualität, Nutzungskonflikte mit Schifffahrt und Wasserwirtschaft sowie erhebliche Investitionskosten, deren Finanzierung zwischen Bund, Ländern und weiteren Akteuren zu klären wäre. Technisch sei laut ihm zum Beispiel eine Umsetzung etwa durch Tunnel oder eine stufenweise Wasserentnahme im Mittelwasserbereich vor den Toren Dresdens grundsätzlich möglich. Besonders anschaulich wurde sein Vortrag aber durch den Hinweis auf die tatsächliche Größenordnung der geplanten Wasserentnahme. Auf seine Frage an das Publikum, um wie viele Zentimeter der Wasserstand der Elbe dadurch sinken würde, überraschte die Antwort – weniger als ein Zentimeter – viele Zuhörer und leitete eine lebhafte Diskussion ein. Zugleich unterstrich Grischek seinen Appell, die Debatte „datenbasiert statt gefühlsbasiert“ zu führen. Bereits die Begriffswahl präge die Wahrnehmung: Es gehe nicht um eine vollständige „Elbeüberleitung“, sondern um eine teilweise „Elbwasserüberleitung“.
In der anschließenden Fragerunde beantworteten Rohwer und Grischek Fragen zu Zuständigkeiten von Bund und Ländern sowie zu möglichen Zeitplänen. Immer wieder ging es darum, wie wissenschaftliche Erkenntnisse stärker in politische Entscheidungsprozesse einfließen und Debatten langfristig sachlicher geführt werden können. Besonders großen Zuspruch erhielt ihr gemeinsames Plädoyer, Herausforderungen auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse zu bewerten und Wasserknappheit angesichts der aktuellen Entwicklungen nicht länger zu unterschätzen.
Wie die Zeile aus Isaak Dunajewskis „Der Wasserträger“ – „Ohne Wasser, merkt euch das, wär' unsre Welt ein leeres Fass“ – verdeutlichte, an die ein Teilnehmer des Abends erinnerte, leisteten Vorträge und Diskussion an Bord der „Gräfin Cosel“ einen wichtigen Beitrag zur Einordnung eines hochaktuellen Themas. Der Wunsch vieler Gäste nach einer Fortsetzung der Veranstaltungsreihe zeigte, dass die Elbe längst als „Lebensader“ Dresdens und der Region im Bewusstsein angekommen ist.
Veranstaltungsbericht von Annemarie Reichenbach
Provided by
Politisches Bildungsforum SachsenAbout this series
The Konrad-Adenauer-Stiftung, its educational institutions, centres and foreign offices, offer several thousand events on various subjects each year. We provide up to date and exclusive reports on selected conferences, events and symposia at www.kas.de. In addition to a summary of the contents, you can also find additional material such as pictures, speeches, videos or audio clips.