Details
Was ist es, das einen lyrischen Text politisch macht? Welche Debatten entzünden sich in Bezug auf die Wirksamkeit solcher Texte? Ist politische Lyrik immer Klagelyrik? Revolutionsaufruf? Agitationsgesang?
Diese und andere Fragen, mit denen sich die Dozentin Petra von der Lohe und Studierende der Hochschule in einem Seminar beschäftigen, diskutieren wir an diesem Abend mit dem Lyriker Lutz Rathenow, der sich als politischer Autor sieht. Der DDR-Bürgerrechtler und spätere Sächsische Landesbeauftragt zur Aufarbeitung der SED-Diktatur wird eine Auswahl seiner erfahrungsgesättigten Gedichte vortragen und über den Zusammenhang von Leben, Poesie und Politik in der Zeit vor und nach der Wende 1989/1990 mit dem Publikum in einen Austausch treten.
Lutz Rathenow wurde 1952 in Jena geboren, wo er Geschichte und Germanistik studierte. Er leitete ab 1972 den „Arbeitskreis Literatur und Lyrik“ bis zu dessen Verbot 1975. Nach der Biermann-Ausbürgerung 1977 wurde er in einem Disziplinarverfahren vom Studium an allen Hoch- und Fachschulen der DDR ausgeschlossen. Er arbeitete als Transporthilfsarbeiter beim VEB Carl Zeiss Jena und siedelte nach Ostberlin über. Sein erstes in der Bundesrepublik publizierte Buch „Mit dem Schlimmsten wurde schon gerechnet“ (1980) führte zu einem dreimonatigen Ermittlungsverfahren. Er galt fortan als politischer und literarischer Netzwerker zwischen DDR-Opposition, literarischen Szenen und West-Journalisten. In "Trotzig lächeln und das Weltall streicheln. Mein Leben in Geschichten" (2022) veröffentlichte er Texte aus diesen Zeiten. Seine Gedichtbände „Früher ist morgen“ (2025) und „Zangengeburt“ 1982/ 2026 setzen die biografische Vergewisserungsarbeit fort.
Den Nahtstellen zwischen Leben, Poesie und Gesellschaft widmet sich auch der von Studierenden der Alanus Hochschule gegründete Verein Flechtwerk e.V. Er versteht sich als Forum für Philosophie, Kunst und Gesellschaft und konzentriert sich auf die Förderung von Literatur, Kunst und gesellschaftlichem Austausch. Zwei Alumni der Hochschule stellen das Vorlaut-Magazin des Vereins vor.
Agenda
18.30 Uhr
Begrüßung
Philip Seehausen, Bonn
Gastgeber und Inhaber der Buchhandlung am Paulusplatz
Einführung: Poesie und Politik
Petra von der Lohe, Alfter
Dozentin im Bereich Literatur und kreatives Schreiben
Lesung
Lutz Rathenow, Berlin
Autor
Diskussion mit dem Publikum
moderiert von:
Julian Raab, Alfter
Student des Studienfachs Perform Art
Danach:
Premierenvorstellung desVorlaut-Magazins der Alanus-Alumnis durch
Alessandra Albrecht und Fabienne Koch, Alfter
Verein Flechtwerk e.V.
Schlusswort
Prof. Dr. Martin Reuber, Bornheim
ehemaliger Mitarbeiter der Konrad-Adenauer-Stiftung
20.30 Uhr
Ende der Veranstaltung