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KAS/Marie-Lisa Noltenius
Obituary

Nachruf auf Christian Schwarz-Schilling

Am 6. April 2026 verstarb Christian Schwarz-Schilling in Büdingen im Alter von 95 Jahren.

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Als Sohn des Komponisten Reinhard Schwarz-Schilling und der polnischen Pianistin Dusza von Hakrid wurde er am 19. November 1930 in Innsbruck geboren. Der promovierte Sinologe und ausgebildete Bankkaufmann war lange Jahre als geschäftsführender Gesellschafter der Akkumulatorenfabrik Sonnenschein in Berlin und Büdingen tätig. Parallel widmete er sich der Politik. 1960 in die CDU eingetreten, wurde er 1966 Mitglied des Hessischen Landtages. 1967 wurde er unter Alfred Dregger stellvertretender Landesvorsitzer und Generalsekretär der hessischen CDU. Obwohl das Verhältnis zwischen diesen beiden selbstbewussten Persönlichkeiten nicht frei von Spannungen blieb, arbeiteten beide für das angestrebte Ziel der Machtübernahme in Hessen zusammen. Als bildungspolitischer Sprecher des Landtagsfraktion stand er im Zentrum der harten schulpolitischen Auseinandersetzungen zwischen CDU und SPD in den 1970er Jahren. 1976 zog er in den Deutschen Bundestag ein, dem er bis 2002 angehörte. Von 1982 bis 1992 war er Bundesminister für Post und Telekommunikation unter Bundeskanzler Helmut Kohl. In diesem Amt trieb er unter anderem die Liberalisierung des Fernseh- und Rundfunksystems voran und engagierte sich für die Einführung des Kabelfernsehens. Das von der Vorgängerregierung unter Helmut Schmidt geplante Glasfasernetz verwarf er zugunsten der Verlegung von Kupferkabeln, eine Entscheidung, die er später selbst rückblickend mit selbstkritischem Blick betrachtete. Nach der Wiedervereinigung forcierte er den Ausbau von Telefonleitungen und Informationstechnik in Ostdeutschland sowie die strukturellen Reformen der Deutschen Bundespost, die schließlich zur Aufteilung in die Bereiche Postdienst, Postbank und Telekom führten.

Sein Rücktritt als Bundesminister 1992 resultierte aus der Kritik an der zögerlichen Haltung der Bundesregierung bezüglich der ethnischen Säuberungen während des Bosnienkrieges. 1995 wurde Schwarz-Schilling zum Internationalen Streitschlichter in Bosnien-Herzegowina berufen und trug maßgeblich dazu bei, dass das Friedensabkommen von Dayton umgesetzt wurde. 2006 wurde er zum Hohen Repräsentanten der Internationalen Gemeinschaft und EU-Sonderbeauftragten in Bosnien-Herzegowina ernannt, trat aber schon im Folgejahr aufgrund von Meinungsverschiedenheiten wieder von seinem Amt zurück. Er blieb der Balkanregion jedoch über das von ihm gegründete „CSS Project for Integrative Mediation“ sowie eine Professur von 2007 bis 2020 an der privaten Sarajevo School of Science and Technology verbunden.

Privat war der begeisterte Klavier- und Orgelspieler mit der Unternehmerin Marie-Luise Schwarz-Schilling verheiratet. Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor. Erst relativ spät erfuhr Schwarz-Schilling von der jüdischen Herkunft seiner Mutter, die ihre Identität zur Zeit des Nationalsozialismus verbergen musste. In bewegenden Gesprächen berichtete er von seinen wiederentdeckten familiären Verbindungen nach Polen und Israel.

Christian Schwarz-Schilling war ein Mensch, der Wirtschaftskenntnis, Intellektualität und praktische Politik verbinden konnte. Besonders seine menschliche Anteilnahme am Schicksal der Menschen in Bosnien-Herzegowina und sein immerwährendes Bemühen um die Schaffung stabiler Strukturen im ehemaligen Jugoslawien werden in Erinnerung bleiben.

Der Konrad-Adenauer-Stiftung war er seit Jahrzehnten verbunden. So vertraute er dem Archiv für Christlich-Demokratischen Politik bereits zu Lebzeiten seine umfangreichen und historisch bedeutsamen Unterlagen an. Seine regelmäßige Teilnahme und vor allem seine Wortbeiträge und Diskussionen auf den Tagungen des Krone-Ellwanger Kreises werden fehlen.

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