Lateinamerika

Lateinamerika ist neben Europa und Nordamerika eine der demokratischsten Weltregionen und damit ein wichtiger Partner Deutschlands im Einsatz für eine regelbasierte multilaterale Weltordnung. Seit über 50 Jahren arbeitet die KAS vertrauensvoll mit den Staaten Lateinamerikas zusammen und pflegt durch 12 Länderbüros und 5 Regionalprojekte einen engen Austausch zu den Themen Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Dezentralisierung und Soziale Marktwirtschaft.

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Lateinamerika

Kaum eine Weltregion steht Deutschland geschichtlich, kulturell und geistig so nahe wie Lateinamerika. Diese „natürliche Partnerschaft“ mit der Region spiegelt sich auch in der internationalen Arbeit der KAS wider, die mit den ersten Auslandsbüros in Venezuela und Chile (1962) ihren Ausgang nahm.

Seit den ersten Tagen der Zusammenarbeit hat sich Lateinamerika stark gewandelt. Bis auf wenige Ausnahmen sind die Länder der Region heute demokratisch verfasst und folgen marktwirtschaftlichen Prinzipien. Zu Beginn des Jahrtausends erlebte Lateinamerika durch hohe Einnahmen aus dem Ressourcenboom eine Blütezeit, die eine spürbare Reduktion der Armut in vielen Ländern ermöglichte und der Region mehr Selbstbewusstsein auf internationaler Bühne verlieh. Viele soziale und politische Herausforderungen, wie Korruption, soziale Ungleichheit, mangelndes Vertrauen in Politik und staatliche Institutionen sowie Kriminalität und Gewalt blieben jedoch trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs bestehen. Sie erschweren heute – da die wirtschaftliche Hochzeit vorbei ist und viele Staaten mit den schwerwiegenden Folgen der Corona-Pandemie kämpfen – die Entwicklung der Region.

Die KAS unterstützt lateinamerikanische Partner darin, diese politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen anzugehen. Konkret widmet sich die KAS in Lateinamerika folgenden Tätigkeitsfeldern:

  • Zusammenarbeit mit christlich-demokratischen und anderen Parteien der politischen Mitte
  • Förderung von Rechtsstaatlichkeit, Korruptionsbekämpfung und Verfassungsreformprozessen
  • Ordnungspolitischer Dialog über die Ausgestaltung der Wirtschafts- und Sozialpolitik
  • Beitrag zur Nachhaltigkeit demokratischer Strukturen und Institutionen
  • Beratung von Regierungen und Parlamenten
  • Einsatz für politische Partizipation und Menschenrechte
  • Zusammenarbeit mit Organisationen der Zivilgesellschaft und Medien
  • Förderung von Dezentralisierungsprozessen
  • Dialog zu Umweltpolitik, Klimawandel und Energiesicherheit
  • Außen- und sicherheitspolitischer Dialog innerhalb der Region sowie mit Europa und Deutschland

Die Arbeit der insgesamt 17 Auslandsbüros in Lateinamerika ist in drei Projektregionen untergliedert, die von Berlin aus koordiniert werden.

Mexiko und Zentralamerika kas
Mexiko und Zentralamerika


​​​​​​​Mexiko und Zentralamerika

Die Projektregion Mexiko und Zentralamerika ist auf den ersten Blick von großer Heterogenität geprägt. Aufgrund seiner Größe und Wirtschafskraft hebt sich Mexiko als G20- und OECD-Mitglied deutlich von den restlichen Ländern der Subregion ab und stellt auch im internationalen Kontext einen bedeutenden Akteur dar. Costa Rica ist fest in der westlichen Wertegemeinschaft verankert und gilt, ebenso wie Panama, als politisch stabiler und verlässlicher Ansprechpartner für Deutschland und die Europäische Union. In den Ländern des nördlichen Dreiecks, Guatemala, El Salvador und Honduras, dominieren vor allem sicherheitspolitische Herausforderungen und das Thema Migration die Agenda.

Die KAS-Auslandsbüros in Mexiko, Guatemala, Honduras, Costa Rica und Panama arbeiten vor Ort eng mit Partnerinstitutionen zusammen, um Demokratie und rechtstaatliche Strukturen sowie die aktive Teilhabe der Menschen (insbesondere von Indigenen, Frauen und der Jugend) in Politik und Gesellschaft zu stärken. Vor allem in Mexiko und Costa Rica nimmt der politische Dialog mit den Partnerparteien eine wichtige Rolle ein. Neben nationalen Aspekten werden auch Fragestellungen der regionalen Zusammenarbeit, wie etwa Migration, Sicherheit und Außenhandel sowie die Beziehungen zu Europa und Deutschland aufgegriffen. Hierbei leistet vor allem das Regionalprogramm „Allianzen für Demokratie und Entwicklung mit Lateinamerika (ADELA)“ mit Sitz in Panama einen wichtigen Beitrag zur Förderung des Multilateralismus und der Vertiefung der Partnerschaft zwischen Deutschland, Europa und Lateinamerika als demokratische Wertepartner.
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​​​​​​​Andenländer


​​​​​​​Andenländer

Die Lage in den Andenländern Venezuela, Kolumbien, Peru und Bolivien war in den letzten Jahren sehr wechselhaft. Erfreulichen Nachrichten, wie dem historischen Friedensschluss in Kolumbien, der 2016 den sechs Jahrzehnte währenden Konflikt mit der FARC-Guerilla formal beendete, stehen dramatische Entwicklungen im Nachbarland Venezuela gegenüber, das sich in einer tiefen humanitären, politischen und wirtschaftlichen Krise befindet und Schauplatz einer der größten Flüchtlingskatastrophen des 21. Jahrhunderts ist. Soziale Proteste erschütterten im Herbst 2019 weite Teile der Region und machten deutlich, wie sehr politische Polarisierung und Unzufriedenheit über mangelnde sozio-ökonomische Teilhabe die Gesellschaften der Andenländer spalten.

Die KAS-Auslandsbüros im Andenraum, zu denen neben den Länderprojekten in Venezuela, Kolumbien, Peru und Bolivien auch die Regionalprojekte zur ‚Politischen Partizipation Indigener‘ mit Sitz in Bolivien, das ‚Rechtsstaatsprogramm Lateinamerika‘ mit Sitz in Kolumbien sowie das Regionalprogramm ‚Energiesicherheit und Klimawandel in Lateinamerika‘ zählen, arbeiten in ihren Einsatzbereichen eng mit lokalen Partnern aus Politik, Justiz, Medien und Zivilgesellschaft zusammen. Die Länderbüros widmen sich dabei spezifischen nationalen Fragestellungen, wie etwa der Umsetzung des Friedensprozesses in Kolumbien, der dezentralen Regierungsführung in Peru, der Förderung der Zivilgesellschaft in Venezuela oder dem politischen Dialog in Bolivien. Die in den Andenstaaten ansässigen Regionalprojekte arbeiten hingegen länderübergreifend und verfolgen übergeordnete Themen, wie die Förderung von Rechtsstaatlichkeit in Lateinamerika, die politisch-gesellschaftliche Teilhabe von Indigenen, oder die Auseinandersetzung mit dem Klimawandel. Seit Mitte 2020 widmen sich die KAS-Auslandsbüros in den Andenländern zudem schwerpunktmäßig den Folgen der venezolanischen Flüchtlingskrise, denn als direkte Nachbarstaaten haben die Länder des Andenraums bislang den Großteil der etwa fünf Millionen Migranten aufgenommen und tragen damit die Hauptlast des venezolanischen Massenexodus.
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​​​​​​​Cono Sur


​​​​​​​Cono Sur

Die Projektregion Cono Sur umfasst Argentinien, Brasilien, Chile und Uruguay und strahlt im Rahmen des dort ansässigen Regionalprojekts Parteiendialog und Demokratie auch nach ganz Lateinamerika aus. Im regionalen Vergleich ist die Region von relativer politischer Stabilität gekennzeichnet. Allerdings ist auch hier eine zunehmende Polarisierung der Gesellschaften zu beobachten. Trotz eines insgesamt hohen Entwicklungsstandes sind die Länder von deutlichen regionalen Unterschieden geprägt und weisen erhebliche  Einkommensunterschiede auf. Im vermeintlich stabilen Chile kam es im Jahr 2019 zu gewalttätigen Demonstrationen, bei denen vor allem gegen soziale Missstände protestiert und eine neue Verfassung gefordert wurde. Soziale und wirtschaftliche Reformen sind in einem polarisierten Umfeld schwer umsetzbar, wie das Beispiel Argentinien zeigt. Brasilien und Argentinien spielen aufgrund ihrer Größe und Wirtschaftskraft eine besondere Rolle. Beide Länder sind Mitglied der G20, der Gruppe der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer. Chile und Uruguay zeichnen sich durch stetiges multilaterales Engagement aus. Alle vier Länder sind wichtige Ansprechpartner für Deutschland und die Europäische Union.

Die Auslandsbüros in Argentinien, Brasilien, Chile und Uruguay setzen in erster Linie am politischen Dialog mit den Partnerparteien und Partnerinstitutionen vor Ort an, welcher sowohl nationale Fragestellungen als auch die gemeinsamen Herausforderungen einer stärker interdependenten Welt im Blick hat: Neben politischer Bildung und Dialogformaten für Funktionsträger und Nachwuchskräfte auf nationaler und kommunaler Ebene werden auch globale Themen wie Handelsbeziehungen, Anpassung an den Klimawandel und die Fortentwicklung der regionalen Sicherheitsarchitektur aufgenommen. Die jährlich stattfindende internationale Sicherheitskonferenz „Forte de Copacabana“ in Brasilien hat sich einen festen Platz auf der Agenda der globalen sicherheitspolitischen Szene erobert.

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