KAS-Bremen

Veranstaltungsberichte

„Prävention gegen Rechtsextremismus“

von Beverley Essuman

Exkursion nach Bergen-Belsen

Am 10., 11., 17. und 18. September gab die Konrad-Adenauer-Stiftung Bremen mehreren Schulklassen die Möglichkeit, die Gedenkstätte Bergen-Belsen kennen zu lernen.

„Es ist erschreckend, wozu der Mensch fähig ist.“ „An diesem Ort nimmt der Hass ganz andere Ausmaße an.“ Dies waren nur zwei der Aussagen, die die Schülerinnen und Schüler in Bergen-Belsen trafen. Am 10., 11., 17. und 18. September gab die Konrad-Adenauer-Stiftung Bremen mehreren Schulklassen die Möglichkeit, die Gedenkstätte Bergen-Belsen selbst kennen zu lernen. Schüler der Oberschule Rockwinkel, der Privatschule Mentor, des Kippenberg Gymnasiums, des Schulzentrums Utbremen, der Oberschule an der Schaumburger Straße sowie des Gymnasiums an der Hamburger Straße nahmen an den Exkursionen teil.

Wer jedoch denkt, dass die einzelnen Schulklassen an allen Tagen immer dieselben Informationen erhielten, irrt sich. Jeder Betreuer in Bergen-Belsen entwickelt ein individuelles Konzept für die Führungen. Somit gibt es Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede in der Herangehensweise, den Schülern die Tragödie der deutschen Geschichte zu verdeutlichen. Zu Beginn jeder Führung gaben die Betreuer ca. 45 Minuten Einblicke in die Geschichte des Lagers Bergen-Belsen, welches unterschiedliche Funktionen innehatte. Ab 1940 diente es als Kriegsgefangenenlager, ab 1943 war es ein Konzentrationslager und von 1945-1950 wurde Bergen-Belsen zum Displaced Person Camp. Einige Betreuer hielten Vorträge, erläuterten die Geschichte Bergen-Belsens anhand eines Zeitstrahls, zeigten Topografien oder ließen die Schüler einen Teil der Geschichte selbstständig in Gruppen erarbeiten.

Zur Vorbereitung auf den Krieg ließ Hitler 1935 einen Truppenübungsplatz errichten. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs entstand daraus ein Kriegsgefangenenlager, welches vorerst für “westliche“ Kriegsgefangene gedacht war. Doch mit dem Überfall auf die Sowjetunion kamen Massen von sowjetischen Kriegsgefangenen in Viehwaggons nach Bergen-Belsen transportiert. Dadurch entstanden menschenunwürdige Zustände.

Ein Bild, welches den Schülern gezeigt wurde, demonstrierte das Elend. Die sowjetischen Kriegsgefangenen “lebten“ auf dem Freigelände in selbst gegrabenen Erdhöhlen. Sie aßen Wurzeln, Insekten und Baumrinden. Für einen Teil der Bevölkerung war es eine “Attraktion“, sich die “Russen“ anzuschauen, da diese in ihren Augen “Untermenschen“ darstellten. „So wie wir in den Zoo gehen, gingen sie sich die Russen anschauen“, merkte ein Schüler an. Auch mit der NS-Ideologie wurde sich ausgiebig befasst.

Nach der intensiven Auseinandersetzung mit der Geschichte Bergen-Belsens wurde die Ausstellung der Gedenkstätte besucht. Dort konnten die Schüler zu allen Bereichen Bergen-Belsens Informationen nachlesen wie dem Austauschlager, welches ab 1943 entstand. Bergen-Belsen war das einzige Austauschlager seiner Art, wo wohlhabende jüdische Familien gegen im Ausland inhaftierte Deutsche oder gegen Geld getauscht werden sollten. Ein jüdisches Leben war ca. 1000 Dollar wert. Dadurch, dass diese gezielte Gruppe von Häftlingen einen Zweck erfüllte, wurde darauf geachtet, sie physisch in einer “guten Verfassung“ zu halten. Durch die schlechte Entwicklung des Tauschgeschäfts wurde das Austauschlager eingestellt, sodass es nur als Konzentrationslager fungierte.

Mit dem Vormarsch der Roten Armee im Osten kam der Befehl, die KZ zu räumen und die Häftlinge ins Landesinnere zu befördern, auch nach Bergen-Belsen. Ein fataler Entschluss für die Tausenden von Häftlingen, Bergen-Belsen war maßlos überfüllt, sodass kurz darauf das Massensterben einsetzte. „Der Tod lag immer neben einem“, berichtet ein Zeitzeuge in einem Interview, welches in der Ausstellung zu sehen ist.

Durch die Unmengen an Leichen kam die SS nicht hinterher, diese im Krematorium zu verbrennen, weshalb sie entschieden, 10.000 Leichen unbeerdigt auf dem Gelände liegen zu lassen. Den Briten bot sich ein entsetzliches Bild bei der Befreiung 1945. Es wurden Massengräber für die Leichen angelegt und sich um die Überlebenden gekümmert. Jedoch kam die schnelle Hilfe für Tausende der mindestens 53 000 befreiten Häftlinge zu spät. Bis Juni 1945 starben noch etwa 14 000 Befreite an den Folgen der KZ-Haft.

Von 1945-1950 wurde Bergen-Belsen zu einem Displaced Person Camp, wo ehemalige Häftlinge, welche heimatlos waren, Zuflucht fanden. Nicht selten war ihre gesamte Familie im Holocaust vernichtet worden. Mit der Auflösung des Displaced Person Camp entstand 1952 die Gedenkstätte Bergen-Belsen.

Nach dem Besuch der Ausstellung gab es eine Führung über das Lagergelände. Einige Betreuer handhabten es so, dass die Schüler kleine Vorträge, welche sie sich zu Anfang erarbeitet hatten, vor dem Massengrab, dem Appellplatz oder den Baracken hielten. Jeder sollte sich einbringen und aktiv über die nationalsozialistischen Verbrechen nachdenken, um die richtigen Lehren daraus zu ziehen.

 

Ansprechpartner

Dr. Ralf Altenhof

Dr

Landesbeauftragter für Bremen und Leiter des Politischen Bildungsforums Bremen

ralf.altenhof@kas.de +49 421 163009-0 +49 421 163009-9
Gütesiegel KAS

Über diese Reihe

Die Konrad-Adenauer-Stiftung, ihre Bildungsforen und Auslandsbüros bieten jährlich mehrere tausend Veranstaltungen zu wechselnden Themen an. Über ausgewählte Konferenzen, Events, Symposien etc. berichten wir aktuell und exklusiv für Sie unter www.kas.de. Hier finden Sie neben einer inhaltlichen Zusammenfassung auch Zusatzmaterialien wie Bilder, Redemanuskripte, Videos oder Audiomitschnitte.