Konrad-Adenauer-Stiftung

Veranstaltungsberichte

kulturgeschichten online mit Raphael Moussa Hillebrand

von Kristina Devine

„Das Wichtigste im Leben ist das Gleichgewicht zu halten.“

Tänzer und Choreograph Raphael Moussa Hillebrand diskutierte in der Gesprächsreihe kulturgeschichten mit Journalistin Vivian Perkovic über kulturelle Vielfalt und Teilhabechancen in der Kultur.

Vom Hip-Hop zur Auszeichnung mit dem Deutschen Tanzpreis für herausragende Entwicklung im Tanz – so könnte man die künstlerische Biografie von Raphael Moussa Hillebrand in Kürze zusammenfassen. Damit ist er nicht nur der erste urbane Tänzer, sondern auch der erste nicht-weiße Künstler, der diese Ehrung 2020 erhalten hat.

In einem Zoom-Gespräch mit der Moderatorin Vivian Perkovic (3Sat kulturzeit) zeichnete Raphael Moussa Hillebrand seinen Werdegang im Tanz nach und erzählte, warum er gerade im Hip-Hop eine Heimat gefunden hat. Dort, so Hillebrand, könne jeder durch eigene Leistung etwas werden. Als Jugendlicher erlebte er in Jugendfreizeitheimen, dass der Hip-Hop nicht nur jedem offen stand, sondern wie man eigene Schwächen zu Stärken machen konnte. Für ihn war das nach Erlebnissen von Ausgrenzung und Rassismus eine zutiefst demokratische Erfahrung: „Ich denke, dass Hip-Hop die Heimat für diejenigen ist, die aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden.“ Der Urbane Tanz als Zufluchtsort, wo er Respekt und Anerkennung fand und Empowerment, also „Selbstermächtigung durch Tanz“ kennen lernte.

Mit dem wachsenden Erfolg im Hip-Hop auf nationalen und internationalen Bühnen wuchs die Neugier auf den zeitgenössischen Tanz sowie der Wunsch nach Mitsprache in dessen Strukturen. Das führte ihn zum Studium der zeitgenössischen Choreographie in Berlin. Im zeitgenössischen Tanz habe er „Selbstarbeit“ gelernt, um mit Druck und Konkurrenzdruck zurecht zu kommen ohne dabei die Freude am Tanzen zu verlieren.

Stark geprägt hat ihn die diametrale Erfahrung von projizierter und gelebter Identität, weshalb er sich besonders für Antirassismus und Teilhabechancen einsetzt. „Im Hip-Hip liegt eine Blaupause zur Selbstermächtigung, auch als Überlebensstrategie, wenn einem die Welt sagt ‚du bist falsch‘.“

Wie verortet er sich in Deutschland und der Welt, was bedeutet Heimat für ihn? Als jemand, der in Asien geboren, in Deutschland aufgewachsen und beruflich viel in der Welt rumgekommen ist, fühlt er sich an vielen Orten zu Hause und identifiziert sich besonders mit Berlin. Die Erfahrung von Ausgrenzung und Diskriminierung als Heranwachsender hat jedoch ein gespaltenes Verhältnis zum Staat bei ihm hinterlassen. Sein gesellschaftspolitisches Engagement findet außerhalb der bereits existierenden Strukturen statt. So ist er Mitbegründer der Hip-Hop Partei Die Urbane. Warum fand er keinen Anschluss zu einer der bereits etablierten Parteien? Weil es keine Partei gibt, die in erster Linie für marginalisierte Menschen eintritt, so Hillebrand: „Wir sind für Schwarze Menschen, für People of Colour und für weiße Verbündete. Und das gibt es nicht.“

Wenn Sie Lust auf mehr haben, dann hören Sie sich die Audio-Aufzeichnung des Gesprächs zwischen Raphael Moussa Hillebrand und Vivian Perkovic hier an.

Ansprechpartner

Kristina Devine

Kristina Devine

Referentin für Kulturpolitik

kristina.devine@kas.de +49 30 26996-3583
Gespräch
9. Dezember 2020
Online-Veranstaltung via Zoom
Corona und Kultur

Über diese Reihe

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