In ihrer Einführungsrede nahm Dr. Melanie Piepenschneider, Leiterin der Politischen Bildung der Konrad-Adenauer-Stiftung, die Gäste mit zurück zu den Anfängen des Frauenkollegs und zeichnete dessen Entwicklung bis in die Gegenwart nach. Sie erinnerte an das entschlossene Engagement von Rita Süssmuth, langjährige frühere Bundestagspräsidentin, die Anfang der 1990er Jahre die Initiative ergriff und maßgeblich dazu beitrug, die Idee in die Praxis zu überführen. Bereits 1991 trafen sich die ersten Teilnehmerinnen, um sich gezielt auf politisches Engagement vorzubereiten.
Aus dem ambitionierten Ansatz ist im Laufe der Jahre eine nachhaltige Erfolgsgeschichte entstanden: Mehr als 1.000 Veranstaltungen und über 15.000 Teilnehmerinnen belegen die kontinuierliche Wirkung des Frauenkollegs, dessen Absolventinnen heute in Kommunalparlamenten, Parteien, Verbänden und Vereinen Verantwortung übernehmen. Dennoch bleiben Herausforderungen, so Piepenschneider: „Frauen sind in Politik und vielen ehrenamtlichen Führungspositionen nach wie vor unterrepräsentiert. Nicht, weil es an Kompetenz fehlt. Nicht, weil es an Motivation mangelt. Sondern, weil Strukturen, Netzwerke und Zugänge oft noch immer nicht gleich verteilt sind. Genau hier setzt unser Frauenkolleg, ein starkes Netzwerk von Frauen für Frauen, an – und genau deshalb ist es so wichtig.“
Dass dieses Netzwerk weit über die einzelnen Veranstaltungen hinauswirkt, zeigte sich auch an diesem Abend in Potsdam. Zahlreiche Absolventinnen sowie langjährige Wegbegleiterinnen wie Annemarie Engelhardt und Katharina Landgraf waren ebenso angereist wie Partnerinnen aus der Bürgergesellschaft und Unterstützerinnen aus dem gesamten Bundesgebiet. Mit Dorothea Maisch war zudem eine der ersten Preisträgerinnen des Helene-Weber-Preis für Kommunalpolitikerinnen anwesend und verdeutlichte die enge Verbindung zwischen Frauenkolleg und kommunalpolitischem Engagement. Gemeinsam brachten die Gäste ihre Wertschätzung gegenüber den regionalen Ansprechpartnerinnen zum Ausdruck – Dr. Silke Bremer, Simone Gerhards, Dr. Kathrin Zehender, Maja Eib und Elke Erlecke – sowie insbesondere gegenüber Beate Kaiser, die das Frauenkolleg in der zentralen Koordinierung seit vielen Jahren prägt und begleitet.
Das Erfolgsrezept des Frauenkollegs liegt in der Verbindung von Wissensvermittlung, Kompetenzaufbau und gezielter Vernetzung. Von Beginn an war es das Ziel, Frauen nicht nur fachlich zu qualifizieren, sondern ihnen auch den Zugang zu belastbaren Netzwerken zu ermöglichen. Diese Netzwerke verbinden Frauen unterschiedlicher Generationen und Hintergründe miteinander und schaffen Raum für Austausch, Unterstützung und gemeinsame Entwicklung. Gerade der Dialog zwischen Bürgergesellschaft und Politik wird dabei als besondere Stärke des Programms hervorgehoben.
Dass sich das Frauenkolleg stetig weiterentwickelt hat, zeigte sich auch im Blick auf die vergangenen Jahre. Die Corona-Pandemie wirkte als Katalysator für neue digitale Formate, die insbesondere jüngeren Frauen sowie Frauen in beruflich oder familiär intensiven Lebensphasen eine stärkere Teilnahme ermöglichten. Ergänzend dazu wurden neue Angebote wie der Podcast „Zukunftsfrauen“ ins Leben gerufen, der persönliche Lebenswege sichtbar macht. Auch Mentoring-Programme, etwa für Frauen mit dem Ziel eines Bürgermeisteramtes, erweitern das Portfolio des Kollegs gezielt.
Ein zentraler inhaltlicher Schwerpunkt des Abends war das Thema Sichtbarkeit, das in einer von Elke Erlecke, der Ostbeauftragten der Stiftung, moderierten Diskussionsrunde beleuchtet wurde. Dabei wurde deutlich, dass Sichtbarkeit nach wie vor eine entscheidende Voraussetzung für politische Teilhabe ist, auch wenn die Wege dorthin sehr unterschiedlich sein können. So zeigte Dr. Julia Emmrich stellvertretende Ressortleiterin Politik/Wirtschaft bei FUNKE Medien, am Beispiel des Kanzler‑Podcasts „Rambo Zambo“, wie sich durch aufmerksamkeitsstarke Formate und die Zusammenarbeit mit einer jungen Social‑Media‑Redakteurin gezielt neue Zielgruppen erschließen lassen, während Susanne Sacher, als kommunale Gleichstellungsbeauftragte im Landkreis Greifswald-Vorpommern, die Bedeutung belastbarer Netzwerke hervorhob, die Frauen konkret dabei unterstützen, Verantwortung zu übernehmen und wahrgenommen zu werden. Tina Winkel, Kulturwissenschaftlerin und verantwortliche Organisatorin des Programms der Kulturhauptstadt Chemnitz, machte anhand ihrer Erfahrungen deutlich, wie niedrigschwellige Beteiligungsformate neue Sichtbarkeit erzeugen können. Barbara Richstein, ehemalige brandenburgische Ministerin und Landtagsabgeordnete und nun Bundesvorsitzende des Weißen Rings, der größten Opferhilfeorganisation in Deutschland, unterstrich abschließend, wie wichtig es ist, gesellschaftliches Engagement sichtbar zu machen und dafür auch neue Wege in der Ansprache von Unterstützerinnen und Unterstützern zu gehen.
In der Diskussion wurde zugleich deutlich, dass Sichtbarkeit bewusst gestaltet werden muss. Viele der Teilnehmerinnen nutzen soziale Medien als Instrument der Information und Kommunikation, setzen dabei aber klare Grenzen im Hinblick auf ihre persönliche Privatsphäre. Übereinstimmend wurde betont, dass Netzwerke eine zentrale Rolle spielen, um Frauen zu stärken, Erfahrungen zu teilen und sich gegenseitig zu unterstützen. Für Frauen, die sich politisch engagieren möchten, ergaben sich aus den Beiträgen des Abends klare Impulse. Neben dem Aufbau und der Pflege von Netzwerken wurden insbesondere Authentizität, Mut und gegenseitige Unterstützung als entscheidende Faktoren hervorgehoben. Politik, so wurde mehrfach betont, ist kein Einzelprojekt, sondern lebt vom Zusammenspiel und vom gemeinsamen Engagement.
Zum Abschluss richtete Dr. Sandra Busch-Janser, stellvertretende Hauptabteilungsleiterin der Politischen Bildung, den Blick auf die Zukunft des Frauenkollegs. Sie betonte die Bedeutung des Programms als Türöffner für politische Teilhabe und unterstrich, wie wichtig es sei, Räume zu schaffen, in denen Frauen ihre Perspektiven entwickeln und einbringen können. Unterstützung erhielt diese Perspektive auch durch das Grußwort von Christina Stumpp, stellvertretende Generalsekretärin der CDU Deutschlands, die die Rolle von Frauen in der Kommunalpolitik als zentrale Stütze einer lebendigen Demokratie hervorhob.
Der Abend machte deutlich, dass das Frauenkolleg auch nach 35 Jahren nichts von seiner Relevanz verloren hat. Im Gegenteil: In einer Zeit gesellschaftlicher Veränderungen bleibt es ein wichtiger Impulsgeber für politische Bildung, Vernetzung und Engagement. Die Vision ist klar: eine Zukunft, in der Frauen selbstverständlich sichtbar sind und Politik aktiv mitgestalten.
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