Veranstaltungsberichte

KAS-Umfrage zeigt fehlendes Vertrauen in bulgarische Medien

von Christian Spahr , Manuela Zlateva
Pressekonferenz der Stiftung Mediendemokratie (FMD) und des Medienprogramms Südosteuropa der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS)

Die Medienexperten von FMD und KAS haben auf einer Pressekonferenz am 4. Februar 2014 in Sofia ihren Jahresreport 2013 zu den bulgarischen Medien vorgestellt. In dem Medienmonitoring wurden mehr als 12.000 Berichte in vier Tageszeitungen und vier Fernsehsendern analysiert. Zudem präsentierte das KAS-Medienprogramm Südosteuropa eine repräsentative Umfrage zum Vertrauen der Bulgaren in die Medien des Landes.

Hier die wichtigsten Ergebnisse des Medienmonitorings:

  • Der den Sozialisten nahestehende Premier Plamen Oresharski, hat in den Nachrichten von Zeitungen und Fernsehen seinen Vorgänger Boyko Borissov als meistgenannten Politiker abgelöst.
  • Borissov, als Chef der konservativen Partei GERB nun Oppositionsführer, liegt in den führenden Medien knapp vor dem ebenfalls bürgerlichen Staatspräsidenten Rossen Plevneliev.
  • GERB-Chef Borissov und sein Pendant von der Bulgarischen Sozialistischen Partei (BSP), Sergey Stanishev, werden beide überwiegend kritisch erwähnt.
  • Premier Oresharski hat in der traditionell eher regierungsnahen Medienlandschaft eine bessere Resonanz.
„Das Gesamtbild zeigt deutlich, dass die Regierung und der Ministerpräsident einen gewissen Medienkomfort genießen: Sie müssen nicht mit starker Medienkritik rechnen. Die größte Oppositionspartei muss im Umfeld einer weniger günstigen Medienberichterstattung agieren“, erklärt Dr. Orlin Spassov, Geschäftsführer der Stiftung Mediendemokratie.

Die repräsentative Meinungsumfrage zum Vertrauen der Bulgaren in die Medien wurde mit rund 1.200 Erwachsenen durchgeführt (Dezember 2013). Die Untersuchung ergab, dass nur 14 Prozent der Bulgaren an unabhängigen Journalismus glauben. 60 Prozent bestreiten, dass die Medien unabhängig sind. In der Hauptstadt Bulgariens sehen sogar nur 7 Prozent die Medien als unabhängig. Für 62 Prozent der Bulgaren ist das Fernsehen die bevorzugte Informationsquelle für Politik, nur 20 Prozent nennen das Web und lediglich 4 Prozent die Zeitungen.

„Für die Tagespresse ist der Befund alarmierend“, sagte Christian Spahr, Leiter des KAS-Medienprogramms Südosteuropa, „Sie muss im Wettbewerb mit Fernsehen und Internet konsequent auf höhere Qualität setzen, um für breitere Bevölkerungsschichten relevant zu bleiben.“

Auf die Pressekonferenz folgte eine Podiumsdiskussion mit FMD-Geschäftsführer Orlin Spassov, Georgi Lozanov, dem Vorsitzenden des Rats für Elektronische Medien (SEM), und Ognian Zlatev, dem Leiter der Vertretung der Europäischen Kommission. Moderiert wurde das Gespräch von Christian Spahr, Leiter des KAS-Medienprogramms Südosteuropa.

Georgi Lozanov kommentierte die umstrittenen Eigentumsverhältnisse in der bulgarischen Medienlandschaft. Ognian Zlatev erklärte die Rolle der EU für die Entwicklung von Medienfreiheit und -pluralismus in Bulgarien und betonte gleichzeitig, Initiativen zu Reformen müssten vor allem im Land selbst entstehen.

Christian Spahr fasste zum Schluss die wichtigsten Erkenntnisse der Diskussion zusammen: Nötig seien Fortschritte bei der Mediengesetzgebung und Selbstregulierung, aber auch ein verbesserter Dialog zwischen allen Akteuren im Medienbereich – Politikern, Medieneigentümern und Journalisten.

Mehr zur Pressekonferenz in der Pressemitteilung und in den Präsentationen zum Medienmonitoring und zur KAS-Umfrage (beide auf Bulgarisch).

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erscheinungsort

Bulgarien Bulgarien