Nachdem uns die Vize-Präsidentin der Bremischen Bürgerschaft herzlich im „Haus der Bürger“ begrüßt hatte, gingen wir gemeinsam in die erste Etage. Auffallend war der graue Teppich, denn dieser ist genauso wie die gesamte Bürgerschaft seit 1992 denkmalgeschützt. Zuvor war das Gebäude die neue Börse, da diese aber nach dem Zweiten Weltkrieg größtenteils zerbombt war, wurde lange über den Neuaufbau debattiert. Viele wollten damals die bisherige Architektur behalten, aber der Architekt hatte seine ganz eigene Vorstellung, so Schnittker. Denn dieser wollte in dem Gebäude seine eigene Vorstellung von Politik verewigen. „Hell, modern und transparent“ - und so wurde schließlich von 1962 bis 1966 nach Plänen von Wassili Luckhardt erbaut. Die großen Fenster symbolisieren Transparenz und ließen das Gebäude von innen sehr erhellen. Auffallend waren auch die klaren symmetrischen Formen der Treppen, das besondere an denen: „Egal welchen Weg man nimmt, am Ende kommt man immer wieder zusammen“, ein Symbolbild für Politik, so Schnittker. Sie selbst nehme immer die linke Treppe, wenn sie zum Plenarsaal gehe. Bei Abgeordneten, die links sitzen, sei dies genau andersrum. Woher dieses Phänomen stamme, wusste Frau Schnittker selbst nicht genau, aber für sie und viele andere Politiker der Bremischen Bürgerschaft etablierte sich das so. Zu Beginn ihrer Zeit in der Bürgerschaft war die Bremerhavenerin kein Freund der Architektur. Sie passe nicht zum Rest der Innenstadt, dacht sie, „aber je länger ich in diesem Gebäude arbeite, desto mehr liebe ich es!“.
Auf der zweiten Etage angekommen zeigte uns die Vize-Präsidentin die alten abhörsicheren Telefonzellen, die früher tatsächlich genutzt wurden. Sie brachten etwas Nostalgie in die Runde. Schnittker kam ebenfalls auf die Bilder vor den Besprechungsräumen zu sprechen, daraufhin betonte sie, dass jeder Bürger während der Öffnungszeit die Exponate und Ausstellungen auf der dritten Etage anschauen dürfe, wenn es gerade welche gäbe.
Christine Schnittker berichtete über ihren Alltag im Halbtagsparlament. Viele Abgeordnete würden, wenn auch nur kurz, zusätzlich noch in anderen Berufen arbeiten. So arbeite sie täglich noch zwei Stunden in der Sparkasse. Ihr helfe das, die Nähe und den Bezug zu den Bürgern aufrecht zu halten, um nicht zwischen Abgeordneten und Parteien die Sicht auf das Wesentliche zu verlieren. Außerdem mache sie das unabhängiger, denn sie müsse sich nicht aus Angst, bei der nächsten Wahl keinen Job mehr zu haben, verbiegen.
Das Büro der Bürgerschaftspräsidentin Frau Grotheer konnten wir ebenfalls von innen bestaunen, mit anschließender Begrüßung von ihr. Hineingegangen sind wir durch den Eingang, den sonst nur Staatsmänner, Diplomaten oder andere wichtige Personen betreten. Schnittker witzelte „Sie sind also die wichtigen Leute“. Sie machte auf das dreiteilige Gemälde aufmerksam, denn dies enthielt Elemente aus den drei Säulen der Demokratie mit Parlament als Legislative, Bremer Schlüssel als Judikative und das Rathaus stellte ein Symbol für die Exekutive dar.
Daraufhin ging es zum Festsaal, dieser diene während der Sitzungen als Pausenraum, könne aber auch für Veranstaltungen genutzt werden. Akzente der alten Architektur ließen sich hier in den Fenstern wiederfinden, denn diese verkörperten die gezackten Giebel, als Anlehnung an das historische Stadtbild rund um den Marktplatz.
Zum Abschluss führte uns Schnittker in den Plenarsaal, wir durften uns dahin setzen, wo sonst nur die Bremer Abgeordneten sitzen. Sie erklärte, dass der Raum aufgrund der Bremer Flagge weiß, rot gehalten ist, sprach über die unbequemen Sitze, die nicht erneuert werden dürfen und darüber, dass der Saal für sechs Fraktionen eigentlich zu klein sei.
In der anschließenden Fragerunde ließ uns Frau Schnittker an weiteren interessanten Einblicken und Situationen aus ihrem Amt teilhaben. Als sie gefragt wurde, wie man sich denn am besten auf das Amt als Vize-Präsidentin vorbereite, erwiderte sie in norddeutscher Manier: „Ganz einfach, kaltes Wasser“.
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