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Auf dem Weg zur digitalen Selbstbestimmung?

by Maximilian Mayer, Yen-Chi Lu

Europa hat die Konsequenzen seiner digitalen Abhängigkeit noch kaum erkannt

Die weltweit wachsende Autonomielücke erschwert die strategische Digitalpolitik. Für Europa gibt es da keine Ausnahme. Digitale Autonomie ist momentan kaum mehr als eine Illusion. Deutschland und Europa können bei Plattformen und Infrastrukturen keine digitale Souveränität behaupten. Den Grad der digitalen Abhängigkeit bei Software, Hardware und Eigentumsrechten macht nun erstmals der Digitale Dependenz Index (DDI) sichtbar, indem er den komplexen Gegenstand der strategischen Digitalpolitik kartiert.

In der europäischen Digitalisierungsdebatte werden technologische Abhängigkeiten als strategisches Risiko betrachtet. Die Corona-Pandemie hat diesen Eindruck noch intensiviert. Autonomie ist zum Glaubenssatz in den Hauptstädten Europas geworden. Vor allem ist aber bislang unbekannt, wie weit die digitale Abhängigkeit überhaupt reicht.

Der neu entwickelte Digitale Dependenz Index (DDI) liefert daher eine präzise Zustandsbeschreibung, mit der sich ermessen lässt, ob der jetzige Politikansatz in Brüssel und Berlin sowie der Umfang der angestoßenen Investitionen mehr als bloßen Symbolcharakter besitzen. Mithilfe des DDI lässt sich der komplexe Gegenstand der strategischen Digitalpolitik auch besser kartieren: Weltweit wurden von 23 wirtschaftlich führenden Staaten beim Handel mit digitalen Gütern und Dienstleistungen, im Bereich der Informations- und Kommunikationsinfrastrukturen sowie hinsichtlich der geistigen Eigentumsrechte für digitale Technologien unterschiedliche Grade digitaler Abhängigkeit ermittelt. 

Während die digitale Autonomie der USA, Chinas aber auch Südkoreas wächst, sieht sich Europa zunehmend mit einer doppelten Abhängigkeit bei der Informationsinfrastruktur einerseits und beim Handel mit digitalen Technologien andererseits konfrontiert, die unser technopolitisches Ordnungsmodell in Frage stellt.

Lesen Sie die gesamte Kurzstudie der Autoren Professor Dr. Maximilian Mayer und Yen-Chi Lu von der Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn hier als PDF.

Die englische Langfassung der Studie können Sie hier lesen.

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Heiko Herold

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Leiter des Auslandsbüros Shanghai (in Vorbereitung)

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