Die aktuellen und künftigen sicherheitspolitischen Herausforderungen Europas standen im Mittelpunkt der gemeinsamen Veranstaltung des Politischen Bildungsforums Brandenburg der Konrad-Adenauer-Stiftung, der Gesellschaft für Sicherheitspolitik Potsdam, der Landesgruppe Brandenburg des Verbands der Reservisten der Deutschen Bundeswehr, der Deutschen Atlantischen Gesellschaft sowie des Lehrstuhls für Militärgeschichte der Universität Potsdam. Die Veranstaltung fand am 02. Juni 2026 an der Universität Potsdam statt. Generalleutnant Dr. Christian Freuding, Inspekteur des Heeres, Dr. Hans-Peter Bartels, Präsident der Gesellschaft für Sicherheitspolitik und Prof. Dr. Sönke Neitzel, Inhaber des Lehrstuhls für Militärgeschichte/Kulturgeschichte der Gewalt Universität Potsdam diskutierten über die Zukunft moderner Kriegsführung, die Rolle technologischer Innovationen und die sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit Deutschlands und Europas. Im Fokus stand dabei die Frage nach deren Folgen für die Bundeswehr.
Konrad Adenauers Lehren für die aktuelle Diskussion
Bereits einleitend erinnerte Dr. Kathrin Zehender, Leiterin des Politischen Bildungsforums Brandenburg, an den größeren historischen Zusammenhang der Debatte. Mit Blick auf den 150. Geburtstag Konrad Adenauers wurde daran erinnert, dass Sicherheit und Freiheit für den ersten Bundeskanzler untrennbar miteinander verbunden waren. Adenauers Überzeugung, Deutschland könne seine Zukunft nur in einem starken europäischen und transatlantischen Bündnis gestalten, sei bis heute von hoher Aktualität. Gleichzeitig habe Adenauer bereits früh darauf hingewiesen, dass Europa langfristig in der Lage sein müsse, selbst Verantwortung für seine Sicherheit zu übernehmen. Vor dem Hintergrund geopolitischer Verschiebungen und der zunehmenden strategischen Konzentration der USA auf den Indopazifik gewinne diese Frage heute neue Dringlichkeit.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Frage, wie technologische Entwicklungen das Bild moderner Kriegsführung verändern. Generalleutnant Dr. Christian Freuding, Inspekteur des Heeres, und Dr. Hans-Peter Bartels, Präsident der Gesellschaft für Sicherheitspolitik, diskutierten unter der Moderation von Professor Sönke Neitzel über die sicherheitspolitischen Konsequenzen aktueller Konflikte und die Anforderungen an die Streitkräfte der Zukunft.
Ein zentraler Bezugspunkt der Diskussion war der Krieg in Afghanistan. Dort habe sich bereits gezeigt, wie stark moderne Konflikte durch elektronische Aufklärung, digitale Vernetzung und technische Überlegenheit geprägt werden. Gleichzeitig sei deutlich geworden, dass technologische Überlegenheit allein keinen militärischen Erfolg garantiere. Auch modernste Systeme könnten die Präsenz von Soldatinnen und Soldaten vor Ort nicht vollständig ersetzen, um bestimmte Ziele zu erreichen. Politische Kontrolle, Stabilisierung und die nachhaltige Sicherung von Räumen blieben Aufgaben, die weiterhin den Einsatz von Truppen erforderten.
Erfahrungen aus dem Ukrainekrieg
Besondere Aufmerksamkeit galt den Erfahrungen aus dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Der massive Einsatz von Drohnen habe das Gefechtsfeld grundlegend verändert und zwinge Streitkräfte weltweit dazu, den Landkrieg neu zu denken. Reflektiert wurde in diesem Zusammenhang auch die deutsche Debatte um unbemannte Kampfdrohnen. Unbemannte Systeme seien heute in nahezu allen Bereichen der Aufklärung und Wirkung präsent und beeinflussten taktische Entscheidungen ebenso wie operative Planungen. Zugleich nehme die Bedeutung digitaler Vernetzung, elektronischer Kampfführung und satellitengestützter Kommunikation kontinuierlich zu.
Eng mit dieser Entwicklung verbunden ist die wachsende Rolle Künstlicher Intelligenz. KI-gestützte Auswertungssysteme ermöglichen bereits heute die Verarbeitung großer Datenmengen in kürzester Zeit und können militärische Entscheidungsprozesse erheblich beschleunigen. Gleichzeitig wurde betont, dass mit dem Einsatz solcher Technologien erhebliche ethische Fragen verbunden sind. Insbesondere die Frage, welche Entscheidungen künftig automatisiert getroffen werden dürfen und welche Verantwortung stets beim Menschen verbleiben muss, werde die sicherheitspolitische Debatte der kommenden Jahre prägen.
Herausforderungen für Deutschland und Europa
Darüber hinaus wurde auf die personellen Herausforderungen moderner Streitkräfte hingewiesen. Angesichts des demografischen Wandels und des steigenden Bedarfs an hochqualifiziertem Personal stelle sich die Frage, wie ausreichend Fachkräfte für die Bundeswehr gewonnen werden können. Technologische Innovationen könnten zwar bestimmte Aufgaben erleichtern oder automatisieren, sie würden den Bedarf an gut ausgebildeten Soldatinnen und Soldaten jedoch nicht ersetzen. Gleichzeitig verändern sich auch die Anforderungen an die Soldaten, was sich beispielsweise in der Grundausbildung hinsichtlich des Umgangs mit Drohnen niederschlagen wird.
Die Diskussion führte vor Augen, dass Deutschland und Europa vor grundlegenden und dringenden strategischen Fragen stehen. Wie kann angesichts neuer Technologien eine glaubwürdige Abschreckung gegenüber potenziellen Gegnern aufrechterhalten werden? Sind die Streitkräfte in der Lage, sich schnell genug an die veränderten Bedingungen moderner Kriegsführung anzupassen? Und wie können technologische Innovation, militärische Handlungsfähigkeit und politische Verantwortung miteinander in Einklang gebracht werden?
Die Veranstaltung zeigte, dass die Antworten auf diese Fragen noch keineswegs abschließend gefunden sind. Einigkeit bestand jedoch in der Erkenntnis, dass Europa künftig mehr Verantwortung für seine eigene Sicherheit übernehmen muss und dass die Fähigkeit zur technologischen und organisatorischen Anpassung entscheidend dafür sein wird, ob Deutschland und seine Partner den Herausforderungen eines sich wandelnden sicherheitspolitischen Umfelds erfolgreich begegnen können.
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