Der Streit mit der CSU über den Umgang mit der FDP und die Einschätzung der Parteienkonstellation führten zur Aufkündigung der Fraktionsgemeinschaft durch die CSU-Landesgruppe des Bundestags (Wildbad Kreuth). Trotz der mühsam erreichten Rücknahme des Beschlusses schwelte die Kontroverse um eine Vierte Partei weiter.
Die Uneinigkeit spitzte sich erneut zu, als Franz Josef Strauß seine Kanzlerkandidatur für 1980 anmeldete und sie unter der Prämisse „Strauß oder Spaltung“ durchsetzen konnte. Obwohl Kohl die Chancen von Strauß gering einschätzte, schwor er vor diesem Hintergrund die CDU auf bedingungslose Unterstützung des CSU-Vorsitzenden ein.
In der CDU hatte Kohl mit seinem Verständnis von konstruktiver Opposition und seinem ausgleichenden Führungsstil einen schweren Stand. Die Kritik an ihm erreichte ihren Höhepunkt, als Kurt Biedenkopf 1978/79 die Trennung von Partei- und Fraktionsvorsitz verlangte.
Neben diesen internen Querelen befaßte sich der Bundesvorstand in den 47 Sitzungen mit der Regierungspolitik und den Regierungsparteien SPD und FDP sowie mit dem Aufkommen der Grünen, setzte innenpolitisch richtungsweisende Impulse mit den Sachprogrammen Vollbeschäftigung, Innere Sicherheit, Energiepolitik, Medienpolitik, Wirtschafts- und Haushaltspolitik, Umweltschutz und Entbürokratisierung und machte im Zusammenwirken mit der Unionsmehrheit im Bundesrat der Regierung das Leben schwer. Mit dem Grundsatzprogramm von 1978 schärfte die CDU ihr Profil und hatte mit ihren außen- und europapolitischen Aktivitäten Erfolg bei den ersten Direktwahlen zum Europaparlament 1979.
Kohls Maxime, nur mit „Stetigkeit, Klugheit, Geduld und Zähigkeit“ sei erfolgreiche Politik zu betreiben, zahlte sich langfristig aus – wenn auch noch nicht in dieser Legislaturperiode.
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In der Reihe „Forschungen und Quellen zur Zeitgeschichte“ veröffentlicht das Archiv für Christlich-Demokratische Politik seit 1980 wissenschaftliche Studien zur Christlichen Demokratie, Darstellungen zur Geschichte der Bundesrepublik und der CDU sowie Biographien wichtiger Repräsentanten. Zu den 50 bisher erschienen Büchern zählen auch Quelleneditionen, wie Protokolle von Parteigremien oder Tagebücher von einflussreichen Politikern. Die Publikationen sind im Buchhandel erhältlich.
Order details
Publisher
Droste Verlag GmbH
ISBN
978-3-7700-1922-9
Place of publication
Düsseldorf
Page number
2597